Wissenswert Covid-19 - Auswirkungen auf die Bilanzierung

Auch wenn aufgrund der aktuellen Ereignisse rund um COVID-19 das Sorgenkind vieler österreichischer Unternehmen die Sicherstellung der Liquidität für die nächsten Wochen und Monate ist, sollte nicht übersehen werden, dass COVID-19 gegebenenfalls auch Auswirkungen auf die Bilanzierung haben kann.

Die entscheidende Frage, die sich Bilanzierer derzeit stellen müssen, lautet: Sind die Ausbreitung von COVID-19 bzw. die damit verbundenen weitreichenden wirtschaftlichen Folgen als werterhellendes oder als wertbegründendes Ereignis zu betrachten?

Maßgeblich ist, ob die Ursachen für die Ausbreitung des Virus und die daraus resultierenden wirtschaftlichen Folgen bereits vor dem Abschlussstichtag angelegt waren, aber erst zwischen dem Abschlussstichtag und dem Zeitpunkt der Aufstellung des Jahresabschlusses bekannt geworden sind („Werterhellung“). In diesem Fall sind die wirtschaftlichen Konsequenzen im Jahresabschluss abzubilden, etwa durch außerplanmäßige Abschreibungen oder die Bildung von Rückstellungen.

Für Jahresabschlüsse zum Stichtag 31.12.2019 gilt im Allgemeinen, dass die weltweite Ausbreitung von COVID-19 ein wertbegründendes Ereignis ist, das grundsätzlich keinen Einfluss auf den Ansatz und die Bewertung von Bilanzposten zum 31.12.2019 hat. Allerdings ist zu prüfen, ob der Jahresabschluss unter der Annahme der Unternehmensfortführung („Going Concern“ gemäß § 202 Abs 2 Z 2 UGB) aufgestellt werden kann. Ist nicht von einer Unternehmensfortführung auszugehen, hat die Bewertung der Vermögenswerte und Schulden zu Liquidationswerten zu erfolgen. Bestehen Unsicherheiten in Bezug auf die Going-Concern-Prämisse, sind diese im Anhang detailliert zu erläutern. Auf  die Stellungnahme KFS/RL 28 der Kammer der Steuerberater und Wirtschaftsprüfer sei an dieser Stelle verwiesen. Alexander Enzinger hat in einem SWK-Beitrag die Zusammenhänge und Unterschiede zwischen Unternehmensfortführung und Fortbestehensprognose übersichtlich dargestellt. Den Beitrag finden Sie unter folgendem Link: https://www.rabelpartner.at/publikation/unternehmensfortfuehrung_und_fortbestehensprognos/) .Weiters bestehen für mittelgroße und große Kapitalgesellschaften Berichtspflichten im Anhang zu wesentlichen Ereignissen nach dem Bilanzstichtag sowie im Lagebericht zu wesentliche Risiken und Ungewissheiten und der voraussichtlichen Entwicklung des Unternehmens.

Für Abschlussstichtage nach dem 31.12.2019 ist jeweils im Einzelfall zu prüfen, ob der Ausbruch der Krise als wertbegründendes oder als werterhellendes Ereignis einzustufen ist. Da die Ausbreitung des Coronavirus und die daraus resultierenden Einschränkungen nicht als zeitpunktbezogenes Ereignis, sondern als fortdauernder Prozess zu betrachten sind, herrscht derzeit noch keine Einigkeit darüber, ab welchem Abschlussstichtag die wirtschaftlichen Auswirkungen in den Jahresabschlüssen (außerhalb der oben geschilderten Going Concern Problematik) zu berücksichtigen sind. Aufgrund der massiven Einschränkungen durch die österreichische Bundesregierung ab Mitte März 2020 ist jedenfalls davon auszugehen, dass die Auswirkungen von COVID-19 in Jahresabschlüssen mit Stichtagen ab 31.03.2020 bei der Bewertung von Vermögensgegenständen und Schulden zu berücksichtigen sein werden.

Unabhängig vom Abschlussstichtag ist zu beachten, dass nach § 82 Abs 5 GmbHG eine bis zur Beschlussfassung über den Jahresabschluss bekannt gewordene erhebliche und nicht bloß vorübergehende Schmälerung des Vermögens der Gesellschaft zu einer Ausschüttungssperre im Ausmaß der Schmälerung führt. Ein danach verbleibender Bilanzgewinn darf ausgeschüttet werden. Soll bei einem Mutterunternehmen eine phasenkongruente Dividendenaktivierung vorgenommen werden, ist auf eine bestehende Ausschüttungssperre beim Tochterunternehmen Bedacht zu nehmen.

Mit dem 2. COVID-19-Gesetz wurde eine Fristenhemmung für sämtliche Anträge und Erklärungen an Gerichte umgesetzt. Diese Fristenhemmung umfasst auch die Frist zur Offenlegung von Jahresabschlüssen (9 Monate) sowie die Frist für die Verhängung wiederholter Zwangsstrafen (2 Monate) und gilt für alle Fristen, die vor dem 22. März begonnen haben und noch nicht abgelaufen sind, oder die zwischen dem 22. März und dem 1. Mai zu laufen beginnen. Der Lauf von Fristen, die nach dem 30. April beginnen, ist von dieser Regelung derzeit nicht betroffen.

Beispiel:

Bei einem Abschlussstichtag 31.12.2019 muss der Jahresabschluss grundsätzlich bis 30.9.2020 beim Firmenbuchgericht eingereicht werden. Diese Frist verlängert sich aufgrund des 2. COVID-19 Gesetzes nunmehr um 40 Tage und endet somit am 9.11.2020.

Bei weiteren Fragen im Zusammenhang mit den bilanzrechtlichen Konsequenzen steht Ihnen das Team von Rabel & Partner gerne zur Verfügung.

 

März 2020